kleine tourstory von unserer minitour

08. Mai 2013
IRONIE KANN JEDER

Im Grunde würgte der Start der Tour einige Tage vorher schon einen gewissen, punkrockig chaotischen Charme durch die Speiseröhre. Uns wurde der Bus, von privat und quasi für lau, abgesagt. Ist ja nicht weiter tragisch, denkt der Punkrocker des 21. Jahrhunderts, gibt es doch jede Menge Automodelle, die eine 4-köpfige Punkband mit Verstärkern und Instrumenten unterbringen kann. Die Groupies luden wir unter großem Gezeter wieder aus. Also, husch, bei den einschlägigen Autovermietungen 2 Tage vorher angerufen und danach mehrere Reanimationen des Herzmuskels ….. Der Mann von Welt reserviert sein Auto Wochen vorher. Ergebnis für den Punkrocker zu so später Stunde: ein Vito für 650€. BÄMM!
Also ein kleineres Auto bestellt, so Kombimäßig, einen VW Touran. Vor Abfahrt dann nochmal Schnappatmung, dann eine Reanimation. „Fahrzeuggruppe“ heisst, der Wagen muß nicht so sein, er kann so sein, ist aber jetzt so ähnlich. Mercedes B-Klasse.
Eine Box und 2 Verstärker gehen rein. Der Rest aber nicht mehr. Ich mach es kurz:
Zwei von uns saßen auf eineinhalb Plätzen auf der Rückbank. Die vorne mit den Knien im Amaturenbrett. Vor uns 5 Stunden Fahrt, aus denen 7 wurden. Und Ironie hatte nicht mehr ins Gepäck gepasst.
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In Halle halfen uns die verständnisvollen Punkrockpapies um BEN RACKEN und „die Angst“ aus dem Wagen. Die Strichliste mit der „geht’s bei euch dahinten“ zeigte 28.
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Husch ein Bier in die Kehlen und den Quatsch vergessen. Dann, auch huschhusch, denn wir waren zu spät, Soundcheck und loslegen. Da die Bühne recht hoch ist im GiG, fühlten wir uns ein wenig wie Bergsteiger in Höhenluft. Atmlos. Was dem Spaß nichts ausmachte. Der tobte einige Meter weiter unten, haha!
BEN RACKEN fanden wir großartig, auch das interessierte Publikum. DIE ANGST durften zu später Stunde, gegen halb eins, auf die Bühne. Düsterpunk dröhnte aus den Boxen. Ich fand es großartig! Hatten schon eine Weile vor, mit ihnen zu spielen, und nun hat es geklappt. Da könnt ihr erzählen was ihr wollt. Leider war ein Großteil der Zuhörer betrunken und dadurch taub für die grossartigen Endzeitbassläufe.
Nach dem Abbau noch ein paar Sachen in den Rackenbus verpackt und wir konnten entspannt in Richtung Magdeburg reisen. Auf leisen Sohlen durch die Wohnung, die Kinder nicht aufgeweckt, noch ein schnelles Bierchen und ein Tag nach dem Motto „all that you can leave behind“ nahm ein Ende.

09. Mai 2013
ERLEBNISBAD

Der Morgen begann mit einem Familienfrühstück. Danach direkt zum Herrentag, grillen im Garten. Viele Große und Kleine hatten Spaß. Dann ein Nickerchen und ab in die Repkowstrasse.
Hier waren wir ja letztes Jahr schon einmal mit GRIZOU. Das war damals schon klasse, nur mit dem draußen spielen hatte es nicht geklappt. Dafür dieses Jahr!!! Sicherheitshalber spannten wir eine orangene Plane vor das Gartenhäuschen, das wir als Schießbude für die Trommler umfunktioniert hatten. Dieses Jahr teilten wir uns dieses kleine Eigenheim mit den Lokalmatadoren BEN RACKEN.
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All die liebenswerten Menschen die tanzten und Bier tranken, und das bei mittelprächtigem Wetter, amüsierten sich!
Um 20 Uhr war alles wieder im größeren und den kleineren Auto eingeladen. So auch wir. Für nächstes Jahr. So wie gestern schon im GiG von Oli. Ein Kompliment, daß schon noch zwischen zwei Gepäckstücke passt!
Danach beschlossen wir, das wir mit Tuba noch in den Rackenschen Proberaum gehen, um ein Konzert von den beiden HC-Bands Ghostwriter (pathetischer HC) und Abyss A.D. (Brüll / Metal / Core) anzusehen. Als wir in das Gebäude kamen waren unsere müden Augen extrem geweitet. Das ist keine Proberaum mehr, sondern ein Probepalast! Nichts gegen das winzige Ding (in unserem Video „tag an der sonne“ zu sehen) in dem wir Krach machen dürfen. Da macht eine marode Stadtstruktur doch Sinn. Es bliebt Platz für die Subkultur. Im schönen Baden wird ja immer gleich gejammert, abgerissen und ein Sparkassengebäude hingebaut.
Zurück nach Magdeburg: Es hatte sich noch eine Postrockband ins Line-Up geschmuggelt und dudelte uns ihre guten Kompositionen in die Ohren. Schade war, das der Gesang mein Trommelfell unangenehm reizte. Dann lieber die Isomatte kuscheln.

10. Mai 2013
TAG AN DER SONNE

Nach ungewöhnlich langem Schlaf, den man als Familienvater durch Frühaufstehen nicht mehr gewohnt ist, standen wir um 8Uhr30 alle wieder für ein Familienfrühstück bereit. Unsere Gastgeberkinder wollten schon ihre angestammten Sitzplätze. Danach eine Radtour entlang der Elbe nach Magdeburg City. Bisschen radeln, bisschen gucken (aber ohne anfassen). Ein Musikalienhandel wurde von uns bereist und das Kanutenherz damit erfreut. Das Hundertwasserhaus links liegengelassen, noch ein Punkrockmittagsschläfchen und um 17Uhr auf die Piste nach Gera.
Wir trafen dort zum ersten Mal auf die LAMPLIGHTERS. Eine Horde Menschen, sie kamen zu acht oder neunt, komplettierte nun das Tour-Line-Up und wir waren, schwupp, 20 Mann. Und da es mit so vielen Menschen viel zu reden gibt, verlief die Zeit wie heißes Wachs. Frage des Tages: „Wo habt ihr eigentlich euren Bandnamen bekommen?“ „Der wurde uns geschenkt.“
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Um viertel vor elf gingen wir vor gefühlten 10 Leuten auf die Bühne (es waren ein paar mehr). Glücklicherweise hatten wir ja genug Anhang um den großen Raum ein wenig zu füllen. Wir mussten feststellen, daß der Veranstalter nicht gerade viel getan hatte, um die Geraer zum Konzert zu bewegen. Oder vielleicht waren es auch die Fußfaulen Einwohner selbst. Schade für euch, denn ihr habt die bis dahin emotionalsten Shows von BEN RACKEN und pADDELNoHNEkANU verpasst. Zum Abschluß fegten uns die LAMPLIGHTERS aus dem sächsischen Bahnhof mit einer guten Mixtur aus jungen HotWaterMusic und Social Distortion.
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Nach diesem unfreiwillig zum Benefizkonzert gewordenen Abend, zogen wir in 10 Minuten in eine kleine Pension.

11. Mai 2013
SCHEUCH’EM AUF

Dieser Morgen beginnt mit der Lektüre des INTRO-Leitartikels über Turbostaat und dem Thema Deutschpunk. Und einem Spruch beim Frühstück.
Doch zuerst zum Leitarktikel…. Oder ne, lieber nicht. Oder doch? Ich trau mich jetzt mal ganz klar zu sagen, daß „die Nerven“ oke sind, aber ganz sicher in dieser Rubrik nichts zu suchen haben. Und das war der kleine Wermutstropfen. Labels machen nicht die Musik, aber sie machen die Seiten in irgendwelchen Obskuren Magazinen voll. (die Klatschspalte interessiert das nicht, das Feuilleton druckt dir heute ein Gesicht – immer kurz vorm burnout)
In jedem Fall merkten wir bei den RACKENjungs und bei uns, daß wir schon mehr als die üblichen Freitag/Samstag-Konzerte hinter uns hatten. Meine Stimme war belegt wie das Klo auf einem Mädchenball. Ich stand mit meinem Brötchen an einer weißen Wand und Ole schaute mich an. Auf mich wirkte das, als ob er etwas sagen wolle. Also fragte ich, ob er was sagen wolle. „Ne, Ich dachte, du seist ein Plakat.“ Und biß selbst wieder in sein Brötchen.
Ein Brüller.
Wir liefen die berühmt berüchtigten Geraer 10 Minuten zum Tierpark, den sich ein großer Teil anschaute. Ole und Tuba gingen Sauerstoff tanken in den Bäumen beim klettern. Und ein paar andere wieder zurück. Bier trinken.
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Spät fuhren wir nach Plauen ins „projekt Schuldenberg“. Sehr liebenswerte Leute, die sich ein feines Konzert und ein Frühstück mit der Rasselbande wünschten. Das Konzert erfüllten wir noch einmal mit 4/4 Takten, obwohl der Soundcheck sich mehr danach anhörte, als wolle Felix Vogelstimmen nachmachen. Der Rabe hatte es ihm besonders angetan.
In der Hauptsache punk-ten wir ohne Alkohol, freuten uns über die tollen Typen mit denen wir diese Tage geteilt haben, und stiegen nach der BEN RACKEN Show in unser winziges Auto, daß endlich wieder voll beladen war. Eineinhalb Sitze für 2 Personen.
Wir hatten den B-Klasse-Scheiß 300m weit weg geparkt, da die Punkrocker uns anrieten, ihn nicht vor das Haus zustellen, man wüsste ja nie…. Schade eigentlich, daß solche Gedanken überhaupt noch gedacht werden. Wir gehen respektvoll mit den Menschen um, aber nicht mit deren Hab und Gut. Viele Gedanken später, die man sich so in 4 Stunden machen kann, düsten wir gen Heimat und küssten gegen 6 Uhr den heimatlichen Hof.
Um halb Acht stand der Wagen wieder beim Verleiher und wir müssen nur 4 Tage bezahlen. Wat geil. Und nächstes Mal reisen wir mit dem Gruppenticket von der Bahn.
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